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Religion und Kirchen in Südafrika

muslim_kidsSo multikulturell und bunt die südafrikanische Gesellschaft ist, so vielfältig sind auch die religiösen Konfessionen in Südafrika. In ihrer überwiegenden Mehrheit sind Südafrikaner christlichen Glaubens, wobei es allerdings eine kaum überschaubare Vielfalt an Kirchen gibt.

Mit rund 2,5 Millionen Mitgliedern ist die afrikaans-sprachige Nederduits Gereformeerde Kerk (NG Kerk, Dutch Reformed Church) größte Glaubensgemeinschaft im Lande. Kaum ein Dorf in Südafrika, in dem die - meist überdimensional große - NG Kerk fehlt. Die Nederduits Gereformeerde Kerk ist die Kirche der weißen Afrikaners sowie eines Großteils der Coloureds, die allerdings der separaten Uniting Reformed Church angehören. Die Ursprünge gehen auf die Konfession der ersten holländischen Siedler im 17ten Jahrhundert zurück. Die NG Kerk entwickelte sich dann jedoch eigenständig. Ihre Doktrinen sind calvinistisch-puritanisch und eher alttestamentarisch orientiert. Man hält sich für ein auserwähltes Volk, ähnlich wie das Volk Israel. Die NG Kerk unterstützte auch das System der Apartheid und lieferte die biblische Untermauerung für die Ideologie der Rassentrennung. Erst 1986 wandte sich die NG Kirche von diesem Kurs ab und erklärte es als Sünde, das Apartheid Regime unterstützt zu haben.

tutuRund 1,8 Millionen Südafrikaner sind Mitglieder der Anglican Church, die sich Ende des 18ten Jahrhunderts mit den Britischen Truppen zunächst in der Kapkolonie etablierte und von dort ausbreitete. Die Anglikaner standen der Apartheid stets kritisch gegenüber. Der Kapstädter Erzbischof Desmond Tutu war zudem in den 80er Jahren einer der prominentesten Anti-Apartheid Aktivisten.

Zu den etablierten Kirchen in Südafrika zählen außerdem die Römisch-Katholische Kirche, die Evangelisch-Methodistische Kirche sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche, die im wesentlichen auf die Kapregion konzentriert ist.

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Starke Verbreitung - und starken Zulauf über alle Rassenschranken hinweg - haben auch Pfingstler- und Charismatische Kirchen in Südafrika. Wegen ihrer überbordenden Fröhlichkeit während der Gottesdienste werden sie von Mitgliedern der etablierten Kirchen gern "Happy Clappies" genannt.

Die Mehrheit der Christen in Südafrika gehört jedoch einer der sogenannten "Unabhängigen Schwarzen Kirchen" an, von denen es mehrere Tausend gibt. Es ist sehr schwierig, diese Kirchen zu klassifizieren. Sie haben einerseits Wurzeln in den christlich-protestantischen Kirchen, integrieren jedoch traditionell-afrikanische Glaubensvorstellungen wie zum Beispiel den Ahnenkult in die religiöse Praxis. Sie alle stehen nicht unter der Kontrolle von Weißen und sind zum großen Teil auch aus dem Wunsch, sich von weißer Dominanz zu befreien, entstanden. Die größte dieser unabhängigen schwarzen Kirchen in Südafrika ist die Zion Christian Church, die zu Beginn des 20ten Jahrhunderts von schwarzen Missionaren aus den USA gegründet wurde und in ganz Südafrika vertreten ist.


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Südafrika hat außerdem eine einflussreiche jüdische Gemeinde und eine Hindu Gemeinde in Durban. Vorwiegend am Kap leben zudem rund 350.000 Muslime. Sie sind sehr gemäßigt und gut in die Gesellschaft integriert. Radikal-islamische Strömungen gibt es in Südafrika nicht.


Foto oben links: Muslim Kinder in Kapstadt. Links unten: Desmond Tutu. Oben rechts: NG Kerk im Namaqualand. Rechts unten: Prozession einer Unabhängigen Schwarzen Kirche bei Umtata.



In südafrikanischen Gottesdiensten geht es fröhlich zu. "Akekho Ofana no Jesu" (Niemand ist wie Jesus)
ist ein beliebter Gospel Song, den man immer wieder hört
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planban