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HIV/Aids in Südafrika

Südafrika hat - wie alle Länder Afrikas - ein Aids-Problem von katastrophalem Ausmaß. Es wurde während der Präsidentschaft des Aids-Leugners Thabo Mbeki bis vor wenigen Jahren heruntergespielt und hat auch deswegen an Dramatik zugenommen.

Im Jahre 2007 führte das südafrikanische Gesundheitsministerium eine Erhebung an schwangeren Frauen durch. Demnach waren 28% der Frauen HIV-positiv, wobei die Rate in KwaZulu-Natal mit 37,4% am höchsten und im Western Cape mit 12% am niedrigsten lag. Auf Grund einer Fragebogen-Erhebung in südafrikanischen Haushalten im Jahre 2008 ergab sich eine Rate von 10,9%. Am stärksten betroffen waren Frauen zwischen 25 und 29 Jahren, von denen 32,7% HIV-positiv waren. Bei den Männern hatten 25,8% der 30- bis 34-jährigen das Virus. Die Zahl der Aids-Toten lag 1997 bei 316.000. Im Jahre 2006 gab es 605.000 Tote. Die Zahl der jährlichen Toten hatte sich also binnen 10 Jahren verdoppelt.

Die UNAIDS/WHO bestätigte die Zahlen im Jahre 2008. Unter den 15- bis 49-jährigen sind 18% HIV-positiv. In der Gesamtbevölkerung sind es 11%. Dies bedeutet: rund 5 Millionen Südafrikaner leben mit dem HI-Virus. Zum ganz überwiegenden Teil sind die Infizierten Schwarze, die Weißen sind vom Problem nahezu nicht betroffen.

Die Ursachen für die rasche Ausbreitung von HIV/Aids liegen vor allem in mangelnder Aufklärung und - als Folge - in ungeschütztem Sexualverkehr. Viele schwarze Männer betrachten Kondome als eine Art Affront gegen ihre Männlichkeit. Manche haben zudem naiv-rassistische Vorurteile gegen Kondome und betrachten sie als ein von Weißen erfundenes Instrument der Unterdrückung, um die Fortpflanzung der Schwarzen zu verhindern.

Insgesamt tendieren Schwarze zu sehr frühen sexuellen Erfahrungen. Auch Vergewaltigung und sexuelle Nötigung von jungen Mädchen und Frauen - in Südafrika weit verbreitet und selten verfolgt - spielen eine Rolle, wie durch mehrere Erhebungen bestätigt wurde.

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Letztlich ist auch die schwache Stellung der Frau in der traditionell afrikanisch-polygamen Familie als Ursache bedeutsam. Frauen trauen sich im allgemeinen nicht, Forderungen an die Männer zu stellen, zum Beispiel die Benutzung eines Kondoms zu verlangen. Die Frau sieht ihre Rolle in erster Linie darin, dem Mann männliche Nachkommen zu gebähren. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, rechnet sie damit, daß der Mann zu einer anderen Frau weiterzieht und sie allein lässt. Ist der Mann wohlhabend, wird er die Frau zwar weiter versorgen, ärmere Männer lassen die Frauen dann jedoch meistens im Stich.

Nicht zuletzt muss man als Ursache für die starke HIV/Aids-Ausbreitung in Südafrika auch das Fehlen von Anti-Retroviralen Medikamenten nennen. Besonders während der Mbeki Präsidentschaft fehlten angeblich die finanziellen Mittel dafür. Erst in letzten Jahren sind sie verfügbar.

Vor allem durch Druck von Öffentlichkeit und Aktivisten-Verbänden wird mittlerweile der Kampf gegen das Virus in Südafrika etwas ernster genommen, besonders in KwaZulu-Natal, wo Tausende von Kindern verwaist sind und in Kinder-Familien ohne Eltern leben. Selbst der traditionalistische Zulu-König Zwelithini hat sich eingeschaltet und fordert, dass sich die jungen Männer wieder beschneiden lassen sollen, da dies nachweislich das Infektionsrisiko reduziere. Ob es tatsächlich helfen wird, mag bezweifelt werden. Immerhin haben jedoch verschiedene europäische Länder - darunter auch Deutschland - Südafrika Hilfestellung bei der Bewältigung des Problems angeboten. Auch die USA haben 900 Millionen Rand zur Verfügung gestellt.
planban